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13.06.2017

  

Delegiertenversammlung WOHNEN SCHWEIZ vom 12. Juni 2017

 

Vorprogramm zum Thema „Kunst und Bau“

Die diesjährige Delegiertenversammlung von WOHNEN SCHWEIZ fand im Kunsthaus Zürich statt. Passend dazu wurde den Delegierten im Vorprogramm das Thema „Kunst und Bau“ vorgestellt. Am Nachmittag lud der Verband zu exklusiven Gruppenführungen durch die Highlights der Sammlung des Kunsthauses ein. Im Anschluss daran wurde das Thema „Kunst und Bau“ durch die Referate von Frau Karin Frei Bernasconi, Leiterin der Fachstelle Kunst und Bau des Amtes für Hochbauten der Stadt Zürich sowie von Herrn Frei, Künstler mit Schwerpunkt auf Projekte im öffentlichen Raum aus ver-schiedenen Perspektiven näher beleuchtet. Zum Abschluss des Vorprogramms wurde ein Kurzfilm über eine exemplarische Umsetzung in der Überbauung Sihlbogen der Baugenossenschaft Zurlinden gezeigt. Hier hat der Künstler Stephan Schmidlin einen acht Meter hohen, farbigen Bogen zum Thema Menschen und nachhaltige Energienutzung aus Holz gebaut.

 

Kein Kernthema, aber!

Das Thema Kunst und Bau gehöre sicherlich nicht zu den Kernthemen einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft, gab WOHNEN-SCHWEIZ-Präsident Daniel Burri zu bedenken. Dies nicht zuletzt, weil sich die Baugenossenschaften primär dem preisgünstigen Wohnungsbau verpflichtet hätten. „Trotzdem ist für Baugenossenschaften nicht nur der Preis wichtig, sondern auch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit.“ Es gehe auch darum, ideelle Mehrwerte zu schaffen. Laut Burri nimmt die Stadt Zürich eine Vorreiterrolle ein: „Sie stellt in ihren Baurechtsverträgen klare Rahmenbedingungen, wie Kunst am Bau auf ihren Grundstücken umgesetzt werden soll.“

 

Seit 2001 gibt es die Fachstelle für Kunst und Bau in der Stadt Zürich, die auch mit Baugenossen-schaften zusammenarbeitet. Die Fachstelle sei dort aktiv, wo Hochbauprojekte der Stadt entwickelt, geplant und realisiert werden, führte die Leiterin der Fachstelle,  Karin Frei Bernasconi aus. Die Stelle arbeitet direkt mit den Projektverantwortlichen des Amtes für Hochbauten zusammen. Dabei wird sie auch in Planungsprozesse eingebunden.

 

Sodann gab der Zürcher Künstler Markus Weiss interessante Einblicke in die Besonderheiten und Herausforderungen des Themas aus der Perspektive des Künstlers. Im Anschluss präsentierte eine Auswahl seiner bisherigen Projekte, wie beispielsweise dasjenige für eine Siedlung der Bau-genossenschaft der Strassenbahner in Zürich. Dieses Kunstprojekt „Stilles Wasser am Käferberg“ hat zum Ziel, das mit wertvollen Mineralien angereicherte Quellwasser für die Bewohnerinnen und Bewohner zu-gänglich zu machen. Das Spezielle daran ist, dass der Beton der Brunnenskulptur mit 1.5 Tonnen Olivin angereichert wurde. Damit kann zehn Mal mehr CO2 absorbiert werden als beim herkömm-lichen Beton.

 

Daniel Burri begrüsste rund 125 Delegierte und 55 Gäste

Rund 180 Stimmberechtigte und Gäste sind an die diesjährige Delegiertenversammlung von WOHNEN SCHWEIZ – Verband der Baugenossenschaften nach Zürich gereist. In seinem Grusswort attestierte der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger den Baugenossenschaften eine Führungs-rolle bei der inneren Verdichtung. Daniel Burri nahm in seiner Eröffnungsrede den Ball von Stadtrat Leutenegger auf ging auf die aktuelle politische Debatte in der Finanzierung des gemeinnützigen Wohnungsbaus ein: „Es ist unerlässlich, den Fonds de Roulement zu stärken und zu sichern, denn er hat sich längst bewährt.“ Aus dem Fonds können Baugenossenschaften gemeinnützigen Bauträgern zinsgünstige, rückzahlbare Darlehen gewähren.

 

Im zweiten Teil seiner Ansprache sprach Daniel Burri die zukünftige Ausrichtung des Verbands, insbesondere auf der Geschäftsstelle an: „Wie an der letzten Delegiertenversammlung angekündigt, wurde die Führung auf der Geschäftsstelle per anfangs Dezember 2016 vollzogen. Und wie ich es erwartet habe, ging dieser Wechsel reibungslos über die Bühne“ so Daniel Burri. Hanspeter Käppeli konnte auf der Geschäftsstelle einen gesunden und funktionierenden Verband übernehmen. Ein solcher Wechsel bietet aber auch immer eine Chance für neue Ideen, den Verband zu positionieren und weiter zu entwickeln. Im Zentrum der Weiterentwicklung der Organisation stehe die Stärkung der Geschäftsstelle im operativen Geschäft. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns mit den bestehenden Ressourcen noch fortwährend an Stärke zulegen können“, so Burri.

 

Bundesbeschluss zur Aufstockung des Fonds de Roulement

Der Bundesrat lehnt die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Mieterverbandes ab. Dem Parlament soll jedoch eine Aufstockung des Fonds de Roulement um 250 Millionen Franken unter-breitet werden. Damit soll von 2020 bis 2030 die Förderung von jährlich rund 1500 Wohnungen sichergestellt werden. Allerdings: Die Aufstockung des Fonds de Roulement soll in Kraft treten, sobald die Volksinitiative „Mehr bezahlbare Wohnungen“ zurückgezogen oder abgelehnt werde. Im Rahmen der laufenden Vernehmlassung steht WOHNEN SCHWEIZ laut Burri in engem Kontakt mit dem politischen Beirat des Verbandes, der aus allen bürgerlichen Parteien zusammengesetzt ist. „Wir sind daran, die bürgerlichen Reihen für den Bundesrats-Beschluss zu schliessen und Mehrheiten zu beschaffen.“ Der politische Beirat sei sich einig: Die langfristige Sicherung des Fonds de Roulement als bewährtes Instrument zur Förderung des preisgünstigen Wohnungsbaus auf nationaler Ebene ist zu priorisieren. Nur so könne man künftig sicherstellen, dass neue Projekte im preisgünstigen Wohnungsbau nachhaltig gefördert würden.

 

Wahlen

Beim Rückblick aufs vergangene Verbandsjahr erwähnte Daniel Burri den sorgfältig vollzogenen Führungswechsel in der Geschäftsleitung von Rudolf Baranzelli zu Hanspeter Käppeli. Die Dele-giertenversammlung wählte Katja Steinmann, Urdorf, neu in den Vorstand. Die diplomierte Betrieb-sökonomin ist bereits Präsidentin der Fonds de Roulement-Kommission. Alle zehn bisherigen Vor-standsmitglieder, Daniel Burri als Präsident sowie die Revisionsstelle PricewaterhouseCoopers AG, Luzern, wurden für die Amtsperiode 2017/18 einstimmig wiedergewählt. Ebenfalls bestätigt wurden die vorgeschlagenen zwei neuen Stiftungsratsmitglieder von WOHNEN SCHWEIZ - Stiftung für den gemeinnützigen Wohnungsbau, Veronika Harder, Wil und Rudolf Baranzelli, Adligenswil.

 

Vergabe Anerkennungspreis 2017

Mit dem jährlich vergebenen Anerkennungspreis der Stiftung WOHNEN SCHWEIZ - Stiftung für den gemeinnützigen Wohnungsbau werden aussergewöhnliche und innovative Leistungen von Verbandsmitgliedern honoriert. Dieses Jahr wurde der mit je CHF 10‘000 dotierte Preis gleich an zwei Genossenschaften verliehen: An die GEWOBAG – Gewerkschaftliche Wohn- und Baugenosse-nschaft Zürich für ihr Rebberg-Projekt in Höngg-Frankental sowie an die Baugenossenschaft Zurlinden Zürich für ihr Projekt einer Flüchtlingsunterkunft in Form einer Zwischennutzung.

 

„Wir sind nun offiziell Winzer“

Daniel Muff, stellvertretender Geschäftsleiter der Gewerkschaftlichen Wohn- und Baugenossenschaft Zürich GEWOBAG, freute sich sichtlich, als er den Anerkennungspreis Empfang nehmen durfte. Die Idee, einen eigenen Wein zu schaffen, sei naheliegend gewesen, sagte Muff. Denn in Zürich-Höngg sei der Rebbau traditionell stark verankert. „Es ist uns seit der Wettbewerbsphase klar, dass wir unsere Neubauten in einen Rebberg einbetten wollten.“ Doch damit das innovative Bauprojekt lanciert werden konnte, musste vorerst Überzeugungsarbeit geleistet werden. So habe die Wohnbau-genossenschaft vor Baubeginn beim kantonalen Rebbaukommissariat antraben müssen, um ihr Projekt sowie die künftige Pflege des Rebberges eingehend zu erläutern. Muff stolz: „Wir sind nun offizielle Winzer mit Eintrag im Rebbaukataster des Kantons Zürich.“ Für die Zürcher Wohn-

baugenossenschaft habe die naturnahe Bewirtschaftung eine zentrale Bedeutung, so Muff weiter. Der Rebberg stehe inmitten eines Wohngebietes und wertet dieses entsprechend auf.

 

Clevere Zwischennutzung

„Es ist für unsere Baugenossenschaft eine grosse Ehre, den Anerkennungspreis entgegennehmen zu dürfen“, sagte Zurlinden-Geschäftsführer Rolf Hefti. 2015 habe es in Zürich einen wahren Flüchtlingsstrom gegeben. „Dies hat uns veranlasst“, so Hefti, „ein Asylprovisorium aufzustellen. Nicht irgendwo, sondern auf dem Grundstück Bachwiesen in Zürich-Albisrieden, wo die Bauge-nossenschaft Zurlinden eine Wohnüberbauung plant.“ Eine Zwischennutzung auf dem brachliegenden Land sei deshalb naheliegend gewesen. „Wir haben selber ein Holz-Modul-System entwickelt.“ Das Praktische daran: Man könne innerhalb einer Woche eine Unterkunft aufstellen und nach Gebrauch wieder zerlegen und an einem anderen Standort aufstellen.

 

 Dokumente:

  • Präsentation DV 2017 WOHNEN SCHWEIZ [PDF]
  • Präsentation Dr. Ernst Hauri – Bundesamt für Wohnungswesen BWO [PDF]
  • Präsentation Karin Frei Bernasconi – Dienststelle Kunst am Bau, Amt für Hochbauten der Stadt Zürich [PDF]
  • Präsentation Markus Weiss – Künstler, Projekte im öffentlichen Raum [PDF]
  • Präsentation GEWOBAG – Anerkennungspreis [PDF]
  • Präsentation BG Zurlinden – Anerkennungspreis [PDF]