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25.06.2019

 

Delegiertenversammlung WOHNEN SCHWEIZ vom 19. Juni 2019

 

Vorprogramm zum Thema ‘Wohnen im Alter’

Die diesjährige Delegiertenversammlung von WOHNEN SCHWEIZ fand in Adligenswil statt, wo ein Verbandsmitglied, nämlich die Genossenschaft ‘Wohnen und Leben am Riedbach’, ein Alters- und Pflegeheim mit 46 hindernisfreien Wohnungen und 56 Pflegebetten realisierte.

 

Rund 180 Interessierte fanden sich am Nachmittag des 19. Junis im Zentrum Teufmatt ein, um am Vorprogramm mit Einführung, Podium und Besichtigung teilzunehmen. Anhand von vier exemplarischen Projekten wurde aufgezeigt, wie gemeinnützige Bauträger in Zusammenarbeit mit dem Verband und der öffentlichen Hand zukunftsfähige Wohnbauprojekte für die ältere Generation realisieren oder bereits fertigstellten.

 

Portraitiert wurde neben der Gastgebergenossenschaft die Wohnbaugenossenschaft an der Wigger, die Wohnbaugenossenschaft Burgfeld sowie die Genossenschaft ‘Wohnen im Alter in Kriens’. Anhand der vier Projekte konnten den interessierten Besucher/innen Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden. Während sich die vier portraitierten Bauträger aufgrund der Finanzkraft und der Projektgrösse zum Teil wesentlich unterschieden, war allen einerseits die juristische Körperschaft gemein und anderseits die Kooperation mit der Gemeinde.

 

Grosser Andrang in einer thematisch reichhaltigen Delegiertenversammlung

Präsident Daniel Burri begrüsste rund 174 Delegierte und gut 50 Gäste zum offiziellen Teil der Veranstaltung. Neben den üblichen Geschäften wie die Festlegung des Mitgliederbeitrags thematisierte Burri auch die Volksinitiative des Mieterverbands für mehr bezahlbare Wohnungen. Dabei hielt er klar fest, dass WOHNEN SCHWEIZ konsequent am bisherigen Kurs festhalten will und den Fonds de Roulement nicht der im Frühjahr 2020 anstehenden Initiative des Mieterverbands zu opfern gedenkt. Gemäss Bundesbeschluss wird der Fonds de Roulement nämlich erst freigegeben, wenn die Volksinitiative für mehr bezahlbare Wohnungen zurückgezogen oder per Volksabstimmung abgelehnt wird. Vordergründig wirkt dies wie ein Votum gegen den gemeinnützigen Wohnungsbau. Tatsache ist aber, dass insbesondere die pauschale Forderung nach einem 10%-Anteil gemeinnütziger Wohnungen weder realistisch noch zielführend ist. WOHNEN SCHWEIZ begrüsst zwar gute Rahmenbedingungen und Anreize zugunsten gemeinnütziger Wohnbauträger, steht aber totalitären Vorschriften, die in der Bundesverfassung verankert werden, skeptisch gegenüber. Forderungen nach mehr bezahlbaren Wohnungen sollten primär auf kommunaler Ebene diskutiert und umgesetzt werden, und zwar dort, wo lokal und regional Bedarf vorhanden ist.

 

Wahlen

Dieses Jahr stand neben vielen anderen Themen auch die Wiederwahl der Vorstandsmitglieder auf der Traktandenliste. Zur Wiederwahl stellten sich neun der bisher zwölf Vorstandsmitglieder. Auch der Präsident stellte sich für weitere zwei Amtsjahre zur Verfügung und wurden einstimmig und mit grossem Applaus wiedergewählt. Die demissionierenden Vorstandsmitglieder, Hans Dietemann, Thomas Moor und Thomas Winiger wurden am Schluss der Delegiertenversammlung vom Präsidenten gebührend geehrt und verabschiedet.

 

Die drei Demissionäre wurden entsprechend dem Antrag des Vorstands nicht ersetzt. Damit wurde ein erster Schritt im Hinblick auf die Statutenrevision im nächsten Jahr getan. 2020 soll u.a. das Ressortsystem aufgelöst, die Geschäftsstelle gestärkt und der Geschäftsausschuss aufgelöst werden.

 

Vergabe Anerkennungspreis 2019

Auch dieses Jahr wurde ein besonderes vorbildliches Projekt durch den Verband ausgezeichnet. Der mit 15'000 Franken dotierte Anerkennungspreis ging an die Kooperation Industriestrasse. Die Zusammenarbeit von fünf sehr unterschiedlichen Wohnbaugenossenschaften zugunsten eines gemeinsamen Projekts, die Bereitschaft zum Dialog mit allen Anspruchsgruppen sowie die Realisierung von gemeinnützigem Wohn-, Arbeits- und Kulturraum auf einem Areal waren für die Würdigung zur Hauptsache ausschlaggebend.

 

Bis 2025 entstehen auf dem 8‘700 Quadratmeter grossen Areal Industriestrasse 160 Wohnungen und Raum für rund 200 Arbeitsplätze. Der Genossenschaftsverband rechnet mit rund 90 Millionen Investitionskosten, wobei einerseits nachhaltiger und anderseits preisgünstiger Wohn- und Gewerberaum geschaffen werden soll.

 

Der Neubau wird dem energiepolitischen Modell der 2000-Watt-Gesellschaft verpflichtet sein. Dank dem schonenden Umgang mit Ressourcen und dem konsequenten Einsatz von erneuerbaren Energien wird das Projekt somit modernsten ökologischen Grundsätzen entsprechen. Im Jahr 2012 befürwortete die Stadtluzerner Stimmbevölkerung das Vorhaben, das Areal einem gemeinnützigen Wohnbauträger abzugeben. Gemeinnützige Bauträger berechnen ihre Mieten nicht nach Marktpreisen, sondern aufgrund der anfallenden Kosten, weshalb von moderaten Mietpreisen auszugehen ist. Die Rendite hat nicht oberste Priorität.

 

Ausschlaggebend für die Verleihung des Anerkennungspreises an die Kooperation Industriestrasse war nicht primär das durchdachte Projekt an sich, sondern, wie Daniel Burri, Präsident von WOHNEN SCHWEIZ betonte, das kooperative Moment und die partizipativen Prozesse: Für die Realisierung des Bauvorhabens schlossen sich erstens fünf Genossenschaften zusammen, um gemeinsam eine nachhaltige und attraktive Siedlung zu erschaffen. Zweitens wurden in der anschliessenden Projektierung die unterschiedlichsten Anspruchsgruppen miteinbezogen und konnten in partizipativen Prozessen, zum Beispiel einer halböffentlichen Jurierung, zur Planung Stellung nehmen. Dank diesen integrierenden Prozessen generierte die Kooperation Industriestrasse Akzeptanz fürs Bauvorhaben und schuf zugleich Identifikationsmöglichkeiten mit dem künftigen Daheim von rund 390 Luzernerinnen und Luzernern.

 

Nach der offiziellen Delegiertenversammlung orientierte der Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, Ernst Hauri, über den Stand der Schweizer Wohnpolitik.

 

Wohnungspolitik aktuell

Nach zehn Delegiertenversammlungen, die Ernst Hauri mit Informationen zur aktuellen Wohnungspolitik bereicherte, gab er bekannt, dass er im November dieses Jahres in den vorzeitigen Ruhestand treten werde. Hauri lieferte in seiner somit letzten Gesamtschau zur Wohnungspolitik wieder viele Fakten und Wissenswertes: Obwohl das Bevölkerungswachstum rückläufig sei, werden noch immer viele Wohnungen gebaut, was Druck auf die Mietpreise ausübe. Während sich die Preise für Eigentumswohnungen auf hohem Niveau stabilisieren, steigen jene für Einfamilienhäuser weiter. Der Leerwohnungsbestand nehme regional zum Teil zu, wobei die Nachfrage im unteren Preissegment aber gemäss Ernst Hauri nach wie vor stark sei.

 

Daniel Burri, Präsident von WOHNEN SCHWEIZ, verdankte auch Ernst Hauris jahrelangen Einsatz zugunsten des Verbands. Nach dieser weiteren Verabschiedung endete die achte ordentliche Delegiertenversammlung von WOHNEN SCHWEIZ.

  

Dokumente:

  • Gesamtpräsentation DV 2019 WOHNEN SCHWEIZ [PDF]
  • Präsentation Dr. Ernst Hauri – Bundesamt für Wohnungswesen BWO [PDF]
  • Präsentation Kooperation Industriestrasse Luzern – Anerkennungspreis [PDF]